Thursday, 25. february 2010 4 25 /02 /Feb. /2010 19:23
Hummer.jpg Ist die Übernahme der Geländewagen Marke Hummer von General Motors durch den chinesischen Maschinenbauer Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery Corp gescheitert?
Wie der jetzige Stand der Dinge ist, muss es wohl mit einem Ja beantwortet werden. Auch wenn es noch einmal eine Fristverlängerung bis zum 28. Februar gegeben hat, so sieht es ganz danach aus, dass sich die zuständigen Aufsichtsbehörden dagegen aussprechen. Überraschend kommt das aber nicht.
Bereits im Juni vergangenen Jahres, als die ersten Meldungen dieser Übernahmebestrebung aufkamen, wurden auch Zweifel laut und prophezeiten zu diesem Zeitpunkt ein Scheitern. Das Ansinnen des chinesischen Unternehmens die Spritfressende Sparte Hummer vom damals insolventen US Autokonzern General Motors aufzukaufen, stand völlig konträr zu den Vorhaben und Zielen der Pekinger Regierung, welche auf ihre Fahnen geschrieben hatte, Benzinschleudern zurückzudrängen. So ist es dann fast logisch, dass sich die alles Entscheidende staatliche Entwicklungs- und Reformkommission einer Übernahme widersetzen wird.
Dem Unternehmen Tengzhong als Hersteller von Baumaschinen wurde das Know-how abgesprochen um Hummer in eine andere Richtung entwickeln zu können. Auch wenn sich Tengzhong in Privatbesitz befindet und dadurch frei von einigen der Kontrollen gegenüber staatlich geführten Unternehmen ist, so können dennoch die Behörden eine ausländische Übernahmen blockieren.
Ursprünglich wollte der Maschinenbauer die Übernahme bereits im dritten Quartal des vergangenen Jahres abgewickelt haben. Im Gespräch waren dabei Zahlungen zwischen 150 bis 200 Mio. US Dollar. Auch hier wischte man sich erstaunt die Augen. War doch das Unternehmen bisher völlig unbekannt und ließ die Frage hochkommen, wie das finanziert werden soll.
Geplant war, dass mit dem Verkauf alle Rechte an der Marke Hummer, wie auch die bestehenden Händler-Beziehungen, an die Sichuan Tengzhong Heavy Industrial übergehen sollten. GM machte sich damals die Hoffnung, dass dadurch die Zentrale in den USA bleibt und mindestens 3.000 Arbeitsplätze gesichert sind.
Der CEO von Tengzhong Yang Yi hatte sah mit der Übernahme von Hummer auch ein Synonym für Abenteuer, Freiheit und Spaß ist. Seine Absicht bestand darin, durch Investitionen in Innovation die Marke wieder zum Wachstum zu führen.
Auch Hummers CEO James Taylor zeigte sich optimistisch das Hummer als eine weltweit anerkannte Marke, hervorragende Wachstumsaussichten habe und das sowohl in Bezug auf neue Märkte und neue Produkte, wie auch in den bereits bestehenden Märkten.
Mit Investitionen von Tengzhong und dessen starker Unterstützung, wird es uns gelingen, unsere Visionen Wirklichkeit werden zu lassen und eine aggressive globale Expansion und eine erfolgreiche Zukunft mit unserem neuen Partner zu erreichen, so Taylor noch im Juni vergangenen Jahres. Dieser Traum scheint nun geplatzt, oder doch noch nicht?

Plan B oder Abwicklung über Hongkong?

Heute ist zu lesen, dass Tengzhong und seine Partner noch einen Plan B in der Tasche hätten und der heißt New J&A Tengzhong Fund SPC. Dieser Privat Equity Investment Fund will bei einem Scheitern der Übernahme anscheinend eine Beteiligung an Hummer in Höhe von 20 Prozent erlangen. Hier wird anscheinend der Weg über Hongkong genommen. Die auf den Cayman Islands registrierte New J&A Investment Management hat eine offizielle Adresse in Hongkongs Two International Financial Center. Der Manager Lucky Lu Shengxi, ist unter anderem auch der Direktor der Tengzhong Asset Management Co. und somit mit dem Maschinenbauer verquickt. Der Fond selber wurde erst vor einem Monat aus der Taufe gehoben. Diese Story liest sich genauso abenteuerlich, wie das gesamte Prozedere überhaupt. Für GM wäre das Platzen der Übernahme insofern bitter, hat doch das chinesische Unternehmen Mitbewerber wie die indischen Automobilhersteller Tata Motors und Mahindra Group aus dem Rennen geworfen.

Wer ist die Tengzhong Heavy Industrial

Wie schon angesprochen, kannte bis zum Aufkommen des Hummer Deals keiner das Unternehmen Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery. Dennoch ist es kein Nobody. Es handelt sich um eines von Chinas großen Engineering-Unternehmen welches sich im Privatbesitz befindet. Der 2005 in Privathand gegangene Spezialmaschinen-Hersteller ist vor allem im Bereich des Straßenbaus, Hochbaus und der Ausrüstung für die Energieindustrie tätig. Seinen Sitz hat Tengzhong in der chinesischen Provinz Sichuan.
Tengzhong betreibt Fertigungsstätten im Xinjin Fine Chemical Industrial Park und im Southwest (Hangkonggang) Industrial Park.
Neben der Produktion plant das Unternehmen den Aufbau eines internationalen Forschung & Entwicklungs-Zentrum, eines Test-Labors und eines elektronisch digitales Software-Management-Systems.
Ausgestattet mit einer fortgeschrittenen Produkt- und Test-Linie will Tengzhong in der Lage sein, die Herstellung einer kompletten Palette von Spezial - Fahrzeugen, einschließlich mittel- und Mega-Lkws, anzubieten. Neben dem Spezialfahrzeugbau kann das Unternehmen ebenfalls in der petrochemischen Industrie auf Referenzen verweisen. So ist Tengzhong auch ein Hersteller von riesigen petrochemischen Anlagen, einschließlich der kompletten Ausrüstung im chemischen und mechanischen Bereich.
Das Unternehmen war in kürzester Zeit, vor allem durch Akquisitionen, zu einem Großkonzern gewachsen. So wurde im Frühjahr 2005 das seit 30 Jahren bestehende Unternehmen Sichuan Changdian Electric Co. übernommen. Ein Jahr später kam die 1958 gegründete Guangyuan Construction Machinery Group hinzu.
Vor zwei Jahren erwarb Tengzhong von der Communication Construction Corp das Unternehmen Xinjin Road Construction Machinery Factory.

Wer steckt hinter den Übernahmebestrebungen?

Das dieses geplante Geschäft für einiges Aufsehen in China sorgte zeigte sich allein daran, dass sich das renommierte chinesische Wirtschaftsmagazin Caijing auf die Suche begab um herauszufinden, wer eigentlich hinter diesem Deal genau steckte. Caijing wurde fündig unter anderem in dem chinesischen Unternehmen Lumena Resources Corp. Dabei kam der Name des 55 jährigen Suolang Duoji ( ein tibetanischer Name ) ganz nach oben.
Dessen chinesischer Name ist Li Yan. Er spielte eine entscheidende Rolle da er einerseits die Sichuan Tengzhong kontrolliert, indem er einen großen Anteil an ihr besitzt und andererseits der Hauptaktionär und Chairman bei Lumena Resources ist, welches zum damaligen Zeitpunkt seinen Gang an die Hongkonger Börse vorbereitete. Genau zu diesem Zeitpunkt wurden Zweifel an der Ernsthaftigkeit einer Übernahme laut und es wurde gemutmaßt, dass es sich um eine PR – Kampagne handelte, um im Vorfeld des IPOs von Lumena Resources Aufmerksamkeit zu bekommen. Genähert wurde diese Spekulation durch die Äußerung des Vize – Direktors des staatlichen Development Research Cente Lu Zhongyuan. Er hatte auf einem Forum in Ningbo die Ernsthaftigkeit dieser Übernahme angezweifelt und bereits damals diesen Deal abgelehnt, da der Kauf einer Spritfressenden und mit hohen Emissions- Ausstoß belasteten Automarke, nicht den Vorstellungen und dem Trend der Energieeinsparung und Verringerung der Emissionen entspreche.
Auf jeden Fall war die Aktion für Li Yan erfolgreich. Sein Unternehmen ging am 23. Juni vergangenen Jahres an die Börse und das mit einer entsprechenden Aufmerksamkeit durch die Investoren. Lumena Resources Corp startete mit einem Plus von 19 Prozent und war im Vorfeld mehrfach überzeichnet. Li Yan oder Suolang Duoji, konnte sich die Hände reiben.

Wer verbirgt sich nun hinter diesen Namen? Li Yan ist Minen – Tycoon und unter anderem auch Inhaber der Sichuan Huatong Investment Holding Co. Diese ist die Anteilseignerin von Tengzhong. Mit den Schlagzeilen zur Hummer Übernahme ist ein No Name – Unternehmen über Nacht zu einem weltbekannten Unternehmen geworden. Bereits damals fragte sich die Economic Daily News wie es sein kann, dass eine „ Schlange einen Elefanten frisst „?
Sehr undurchsichtig sind die Verquickungen der beiden Unternehmen.
Bemühungen von chinesischen Nachrichtenseiten, wie Caijing, Shanghai Securities News oder Sina Licht ins Dunkel zu bringen, schlugen immer wieder fehl. Eine ehemalige Managerin von Sichuan Huatong weigerte sich gegenüber der Presse Auskünfte zu geben. Wie Caijing damals berichtete, wurden alle Angestellten des Unternehmens dazu angehalten, keinerlei Auskünfte zu geben. Reporter, welche am 04. Juni, dem Tag des Bekannt Werdens der Hummer – Übernahme am Werkstor in Chengdu Xinjin auftauchten um nachzufragen, fanden kein Firmenlogo und etliche Gebäude sowie Fertigungsstätten erst im Aufbau. Yi Yang, General Manager des Unternehmens, soll bereits Anfang Mai 2009 alle Mitarbeiter des Werkes zum Stillschweigen verpflichtet haben.
Die Besitzverhältnisse innerhalb Tengzhongs sind immer noch nicht eindeutig. Allein seit dem Bestehen des Unternehmens änderten sich die Besitzstrukturen und der Name mehrmals. Am 27. Januar 2008 gab man sich dann den jetzt bekannten Namen Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery.
Auch bei Li Yans Huatong Investment sieht es ziemlich durchmischt aus. So sollen chinesischen Medien zu Folge noch Anfang 2009 die Investmentbanken Merrill Lynch, Credit Suisse und Morgan Stanley Aktionäre an der Huatong sein. Morgan Stanley und Credit Suisse sollen auch Unterstützung beim Kauf von Hummer zugesagt haben.

Schlussendlich wird die allerletzte Entscheidung zur Hummer-Übernahme in den kommenden Tagen zu lesen sein. Von der Plan B Gesellschaft New J&A Tengzhong Fund SPC ist noch nichts neues zu Erfahren, da sich die Chefs, wie auch der Tengzhong Chef, noch im verlängerten Urlaub der goldenen Woche befinden, so zumindest die aktuellen Medienmeldungen. Die nicht gerade Überschwängliche Beziehung zwischen China und den USA dürfte den chinesischen Behörden eine Absage leichter machen. Aktuell heißt es dann auch, dass China abgelehnt hätte und GM dabei ist Hummer zu zerlegen.

von Ingo
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